Es ist Alarmstufe rot! Eventbranche mobilisiert sich und schlägt der Bundesregierung Ausfallshaftungs-Fonds vor

Es ist Alarmstufe rot!

Eventbranche mobilisiert sich und schlägt der Bundesregierung Ausfallshaftungs-Fonds vor

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Wien, 26. August 2020 Die gesamte Veranstaltungsbranche und die der Wertschöpfungskette hinzuzurechnenden Betriebe (Veranstaltungsagenturen, Veranstalter von Sport- Musik- und Kulturevents, Locations, Hotels, Hochzeitsplaner, Messeveranstalter, Kongress-Organisatoren, Sicherheitsunternehmen, Caterer, Reisebüros, technische Dienstleister, Zulieferer in den Bereichen Dekoration und Ausstattung, Elektrik, Veranstaltungstechniker, Drucker, Künstler genauso wie Zeltverleiher, IT-Programmierer, Blumenhändler u.v.m.) sowie ganze touristische Regionen haben zurzeit keine Zukunftsperspektiven.

Aktuell ist keine Planung von Veranstaltungen für 2020 und 2021 möglich.

Die Unsicherheit bei Auftraggebern sowie bei Besuchern von Events ist einfach zu groß. Viele Unternehmer denken bereits die Flucht in die Insolvenz an. Die Zahlen der Entwicklung im Bereich COVID-19 Erkrankungen zeigen leider wieder in die falsche Richtung.

Nach Abstimmung mit einer großen und breiten Mehrheit innerhalb unserer sehr heterogenen Veranstaltungsbranche hat der Austria Event Pool (AEP) eine gemeinsame Grundkonzeption für ein „Zukunftsszenario“ für den Fortbestand von Unternehmen und der Sicherung von Arbeitsplätzen entworfen. Der AEP wurde im Mai 2020 als interdisziplinäres Sprachrohr für die gesamte Veranstaltungsbranche gegründet.

Die zurzeit gesetzten Maßnahmen greifen leider viel zu kurz und können die Event-Branche* nicht retten. Die Ausfälle sind zu groß und die Möglichkeit rasch wieder in die Gänge zu kommen sehr, sehr gering. Wir können organisieren und veranstalten – nur bleiben die Besucher aus! Die Angst ist zu groß, Gesundheit, Job oder Unternehmen langfristig zu schädigen.

Die Idee eines „Ausfallshaftungs-Fonds“ oder auch „Schutzschirmes“ für die Vorbereitung von Veran-staltungen genannt, ist nicht ganz neu. Hier hat die EMBA, das Event Marketing Board Österreich, großartige Vorarbeit geleistet. Der AEP Austria Event Pool hat sich erlaubt diese gute Grundidee aufzugreifen und eine Möglichkeit gefunden, diese so zu adaptieren, um die Event-Branche mit ihrer gesamten Wertschöpfungskette und den dabei beteiligten Unternehmen am Leben und in Arbeit zu erhalten. Diese Idee geht weiter, da sie auch einen gesellschaftlichen und psychosozialen Effekt hat: Die Branche und alle Mitarbeiter würden ein Licht am Ende des Tunnels sehen können!

Es wurden in der Vergangenheit viele gute Maßnahmen der Regierung gestaltet, die aber auf die Event-Branche und viele Unternehmen in der Wertschöpfungskette nur sehr geringe Effekte haben:

  • Kurzarbeit hilft zurzeit – bei null Aufträgen wird sich die Branche auch die Kosten der Kurzarbeit nicht mehr leisten können
  • Investitionen sind aktuell in der Event-Branche keine Möglichkeit
  • Mehrwertsteuersenkungen haben in der B2B Event-Branche keinen Effekt
  • Verlustrückträge sind gut, aber nicht ausreichend
  • Kredithaftungen helfen nur temporär – Kredite müssen zurückverdient werden können
  • Fixkostenzuschuss (auch 100%) ist nur für eine Überbrückung, da zeitlich nach wie vor begrenzt, aufwändig und kompliziert.

„Die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Veranstaltungswirtschaft AEP unterstützt diese Idee und wir würden uns freuen – nachdem wir nach der Regierungsklausur im Juni leider als Branche - trotz der Zusagen - leer ausgegangen sind, diesmal berücksichtigt zu werden“, so Erik Kastner, Gründer des AEP.

Wie sieht die Maßnahme des „Ausfallshaftungsfonds“ konkret aus:

Das System ist denkbar einfach, was zurzeit einen ebenso wichtigen Faktor wie die Schnelligkeit der Implementierung darstellt: Der Staat haftet mit einem Fonds für die Vorarbeiten für Veranstaltungen, Kongressen, Messen, etc. Das erscheint im ersten Moment als überzogene Forderung, stellt sich jedoch in der Handhabung sowie in der Umsetzung und im zu erzielenden Erfolg sehr einfach dar.

Momentan sind Kundengespräche im In- und Ausland, um einen Auftraggeber für z.B. einen Kongress oder eine Tagung in Österreich zu finden, relativ einfach zu beschreiben. Telefon-Akquisitions-Gespräche laufen ungefähr so: "Danke lieber „Herr Agenturleiter“ für Ihr Interesse. Ja, wir hätten schon Veranstaltungen in der nächsten Zeit, jedoch ist die Unsicherheit der Geschäftsleitung zu groß um Geld in die Vorbereitung einer Veranstaltung zu investieren, die vielleicht letzten Endes doch aufgrund von COVID-19 abgesagt werden muss. Rufen Sie mich bitte Mitte des nächsten Jahres wieder an, dann reden wir über 2022". Das ist die Realität!

Um gegen diese Aussagen anzukommen fehlen leider zurzeit jegliche Argumente, deshalb fordert die Veranstaltungsbranche einen „Ausfallshaftungsfonds“. Dann wäre es nämlich so, dass das Argument (wie im oben genannten Telefongespräch angeführt) zerstreut werden könnte. Die Planung für 2021 könnte sofort aufgenommen und noch dieses Jahr die Mitarbeiter wieder eingesetzt werden. Dabei zählt kein Argument der momentanen Entwicklung der Infektionszahlen – dabei geht es ausschließlich um die Zukunft!

Weltweit der erste und einzige Staat zu sein, der so etwas anbietet, kann auch internationale Auftraggeber nach Österreich bringen. „Imagemäßig wäre es ein langfristiges Argument, etwas für unsere Kunden getan zu haben. Ein sensationeller Werbeeffekt, der so schnell nicht wiederkommen würde“, ist Kastner überzeugt. Spanien (Kanarische Inseln) hat bereits einen Vorstoß unternommen und Einzelreisende abgesichert: Wenn eine COVID-19 Ansteckung im Zuge der Reise erfolgt, werden bestimmte Kosten übernommen.

Die Kosten sind errechenbar und betragen nach Hochrechnung pro Quartal max. ca. 250 Mio. Euro. Eine Deckelung ist natürlich möglich.

Kongresse, Messen und Tagungen, die vielleicht in einem anderen Land geplant wären, hätten plötzlich die Möglichkeit nach Österreich transferiert zu werden, da das Angebot der Ausfalls-haftung im Falle durch ein COVID-19 Storno alle Kosten bis zur Absage übernehmen würde.

Das ist für jeden Veranstalter im In- und Ausland ein schlagendes Argument.

Eine weitere Bedingung könnte sein, dass die Veranstaltung als "Green Congress", "Green Event", "Green Meeting" oder als "Green Exhibition" deklariert sein muss.
„Wenn wir das nicht schaffen, ist wahrscheinlich auch das Jahr 2021 für die gesamte Veranstaltungs-branche ein weiteres Jahr ohne Veranstaltungen und somit ist eine Konkurswelle sicher! Die gesamte Eventbranche und die in der Wertschöpfungskette angeschlossenen Betriebe brauchen Perspektiven“, so Erik Kastner. Diesen Vorschlag unterstützen zahlreiche Veranstaltungs-unternehmen und Persönlichkeiten sowie Verbände wie die ÖHV Österreichische Hotelvereinigung, die EMBA Event Marketing Board Austria, MA Messen Austria und das ACB Austrian Convention Bureau.

* Eine Branche, die mit 140.000 Arbeitsplätzen und jährlich 9 Milliarden Euro (ohne Kunst und Kultur) an Wertschöpfung für Österreich erwirtschaftet sowie 3,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen leistet. (Lt. IHS Studie im Auftrag von Eventnet Austria der Wirtschaftskammer Österreich/2017)